Beitrag von Joana Stella Kompa

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Founder, CEO, CTO in the interim @ NEXTGEN.LX, Senior Referentin für Erwachsenenbildung @ MyGatekeeper Hannover, Gastberaterin @ BDU/ Fachbereich Personalentwicklung & Coaching

Ich hätte nie gedacht, dass das ein echtes Thema ist. Es war vor etwa zwei Jahren und wir waren, was unsere Zielgruppe anbelangt, noch wunderbar naiv unterwegs. Unser potenzieller Kunde (PT) kommunizierte uns vor unserem ersten Meeting, wie er Innovation ganz großartig findet. Innovation, ja bitte! Wir wären in Deutschland ja ohnehin voll die Nachzügler, also her mit dem geilen Scheiß. Kommt bitte vorbei. Gesagt, getan. Wir begingen den Kardinalfehler nach einer kurzen Bestandsaufnahme mit dem PT gleich über unsere Lösung zu sprechen. Anyway, anyhoo – ihm wurde während unserer Ausführungen klar, dass ein neues System eine gewaltige Veränderung implizieren würde. Vieles wäre möglich, etwa eine Messung des Kompetenzerwerbs seiner Fortbildungskurse, eine systematische Qualitätsentwicklung oder eine kooperative, transparente Weiterentwicklung des Lerndesigns. ABER... Unser PT hatte nur noch wenige Jahre bis zu Pensionierung. Und Transparenz? Natürlich nicht. Er wäre, bei genauerem Hinsehen, eigentlich ganz happy mit seiner Blackbox. Nein, er wisse nicht über die Qualität seines Angebots im Einzelnen Bescheid, aber vertraue seinen Leuten. Es wäre schon super, so wie es läuft, solange es keine Beschwerden gibt. Leute liebten ihren Freiheitsgrad. Zudem gäbe es momentan ja genügend Workshopleitungen. Ein Freund und erfahrener Unternehmensberater, der die Situation des PT kennt, schüttelte seinen Kopf und verwies auf den drastisch ansteigenden Fachkräftemangel: „In vier bis fünf Jahren weiß er gar nicht, mit welchem Zug er da zusammengestoßen ist.“ Yup. Ich seufzte. Ich vermisse die Begeisterungsfähigkeit und zumindest Neugier, die ich aus Asien und den USA kenne: 'Hey Joana, das klingt ja total spannend, können wir das mal ausprobieren?' In Singapur war es ganz selbstverständlich nach den besten Lösungen weltweit Ausschau zu halten. Be the best you can be! Strive for excellence. In Deutschland heißt es: „Ich kann das alles besser!“ oder „Wir haben kein Problem und müssen uns keine unnötige Lösung aufs Auge drücken lassen!“ Das Tolle ist ja, dass wir als Startup gar nichts verkaufen. Heute, zwei Jahre später, haben wir mit verschiedenen passenden Partnerunternehmen nicht nur Traction mit tollen Use-Cases gewonnen. Mitarbeitende verwenden unser Konzept mittlerweile für ihr day-to-day Lerndesign, einfach weil es schneller, kooperativer (im Team wie mit Kunden) und qualitativ-hochwertiger geht als mit anderen Ansätzen. Selbstorganisation im Team hat zur Voraussetzung, dass ein Team auf eine gemeinsame Sprache bzw. Syntax zur Entscheidungsfindung zugreifen kann. Eine solche Syntax brauche ich nicht in einer Blackbox, in der jeder sein eigenes Süppchen kocht. Ich unterscheide insoweit genuine Selbstorganisation von funktionalem Vor-sich-hin-wursteln, unstrukturierte versus semi-strukturierte Teams bzw. gar keine Teams. So entscheiden die Glaubenssätze von Führungskräften über organisationale Zukunft. Adjusted beyond repair 😊 . #future #design

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Udo Dr. Nagl

Hybridschalungsstein: Die starke Wand, die auch wärmen und kühlen kann

4 Monate

Auch wenn Veränderung das Bohren dicker Bretter bedeutet: weiterbohren.

Madita Hänsch

Bildungssystem- und Lernraumdesignerin, Content Creatorin, Visionärin - Ich gestalte inspirierende Lernräume

4 Monate

Dieser Spruch "Nicht mehr vor meiner Rente" ist mir auch schon mehrmals begegnet und erschreckt mich immer wieder. Vor allem, weil diese Menschen, die das gesagt haben, noch bis zu 10 Jahre Arbeit vor sich haben...

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