Dafür, dass sechstausend Menschen hier arbeiten, geht es auf dem Betriebsgelände der Salzgitter Flachstahl überraschend ruhig zu. Drei Hochöfen produzieren im Jahr mehr als viereinhalb Millionen Tonnen Stahl. Vor der Kulisse des Stahlwerks dampfen die riesigen Mengen der nichtmetallischen Restbestände des Eisenerzes im Schlackenbett. Gäbe es nicht den Umstand, dass der Ausstoß von Kohlendioxid den Treibhausgaseffekt und die Erderwärmung verstärkt, könnte es noch lange so weitergehen. In die Stahlproduktion, die Kokerei und das mit Kuppelgasen betriebene Kraftwerk wurde kontinuierlich investiert. Doch nun soll sich vieles ändern.
Und deshalb ist es auf dem Gelände auch nur dort ruhig, wo es um die eingespielte routinierte Stahlproduktion geht. Ansonsten pulsiert es geradezu. Aktuell bleibt kein Stein auf dem anderen. Überall Kräne und Baucontainer, im Fünfzehnsekundentakt rauschen Betonmischer, Traktoren, Lastwagen und Transporter über das Verkehrsnetz, das mit sprechenden Namen wie Kokerei- oder Brammenstraße benannt ist. Kälte-/Wärmeschutzisolierung Marschewski aus der Region ist mit drei Wagen unterwegs. Hunderte Gewerke sind eingebunden in die wohl teuerste Baustelle der Republik. Mehr als zwei Milliarden Euro werden in weniger als drei Jahren verbaut. Die Zeit ist knapp. Es soll ein Vorzeigeprojekt der ökologischen Transformation des Wirtschaftsstandorts werden.