Campus Bockenheim :
Begehrtes Juridicum

Rainer Schulze
Ein Kommentar von
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Soll nach dem Auszug der Universität nicht leer stehen: das Juridicum am Campus Bockenheim

Eine Zwischennutzung des Juridicum im Frankfurter Stadtteil Bockenheim durch Initiativen kann sinnvoll sein. Andere Interessen könnten freilich auch schwerer wiegen als die eigenen.

Sie haben das Fell des Bären schon verteilt, bevor er erlegt ist. Das Konzept der Bürgerinitiativen, die das Ju­ridicum auf dem alten Uni-Campus in Bockenheim für ihre Zwecke zwischennutzen wollen, liest sich so, als sei ihr Einzug in das bald frei werdende Institutsgebäude schon be­schlossene Sache. Das Juridicum soll nach ihrem Wunsch zu einem Ort des gesellschaftlichen Wandels werden, mit einem Jugend-Klima-Zentrum für Fridays for Future und Platz für Künstler und andere Initiativen, die sich sozialen und ökologischen Themen verschrieben haben.

Bei so viel Eifer wirkt es, als wäre die Einwilligung des Eigentümers nur noch eine Formsache. Doch die Initiativen in Bockenheim wollen über öffentliche Flächen verfügen, die für andere Zwecke gedacht sind. In einigen Jahren soll an dieser Stelle die Musikhochschule errichtet werden, ein Architekturwettbewerb wird vorbereitet. Bis zum Baubeginn wird zwar noch viel Zeit vergehen, aber so lange soll das Juridicum nicht leer stehen.

Nur bedingt geeignet

Die städtische Wohnungs­gesellschaft ABG will das Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen. Sobald die Universität aus­gezogen ist, soll das Juridicum her­gerichtet werden, damit geflüchtete Menschen einziehen können.

Das dürfte den sozial engagierten Bürgerinitiativen durchaus gefallen, sie aber nicht zufriedenstellen. Seit Jahren warten sie darauf, das Studierendenhaus auf dem Campus zum „Of­fenen Haus der Kulturen“ umzunutzen. Doch der Umzug der Universität verzögert sich, weil die letzten Bausteine auf dem neuen Campus im Westend und auf dem Riedberg noch nicht fertig sind.

Man kann den Verdruss der Initiativen verstehen. Doch sie sollten nicht vergessen, dass an­dere Interessen möglicherweise schwe­rer wiegen als die eigenen. Aber vielleicht kann eine Zwischennutzung auch beiden gerecht werden.

Architekten stellen auch den Ab­riss des Juridicums infrage, denn der Erhalt der grauen Energie spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Das Juridicum ist zweifellos ein sehr effizientes Ge­bäude, aber für die Musikhochschule, die auf hohe Säle angewiesen ist, scheint es nur bedingt geeignet. Vielleicht lässt sich das im Architekturwettbewerb überprüfen.

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