Negroni wird 100 : „Trinken Sie nicht mehr als 20 pro Tag“

Rot, stark, bitter: Der Negroni ist eine Ikone der Cocktailkultur. Erfunden hat ihn vor 100 Jahren ein italienischer Graf. Wie interpretieren ihn Barkeeper im Jubiläumsjahr?
Ohne ihn gäbe es wohl keinen Negroni: Es war ein italienischer Playboy mit dem Wunsch nach mehr „Wumm“, der die Geburtsstunde des starken roten Aperitivoklassikers markierte. „Ein Playboy mit Geldsorgen und Crashes, ein wohlbestallter Hallodri, der manchmal wieder für Jahre untergetaucht ist“, so der Wiener Barkulturexperte Christof Habres. Der Name des Grafen: Camillo Negroni. Nach einer Londonreise war dieser 1919 wieder in seiner Stammbar, dem Café Casoni in Florenz, eingekehrt und wollte keinen Spritzer Sodawasser in seinen Americano, sondern stattdessen Gin. Der Barkeeper ergänzte das Ganze mit ein wenig Orangenschale – und fertig war der erste Negroni. Die Zutaten: Campari, Wermut und eben Gin, jeweils zu gleichen Teilen. „Die Entstehungsgeschichte dieses Drinks ist verbürgt“, erklärt Christof Habres. Da gäbe es einerseits die Aussagen des Barman Scarselli, der diesen Drink für den Grafen gemixt und die Begebenheit 1919 notiert hat. „Es gibt aber auch einen Brief des Arztes von Camillo Negroni aus dem Jahr 1920“: In diesem rät er dem trinkfreudigen Conte dazu, nicht mehr als 20 (!) der von ihm kreierten Drinks pro Tag (!) zu sich zu nehmen.