Senioren-Surfer im Internet :
Der souveräne Klick ist lernbar

Simon Strauß
Ein Kommentar von
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So sieht souveränes Surfen aus: Doug Jones als Silver Surfer in dem Science-Fiction-Film „Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer“

Eine Studie kommt auf dramatische Zahlen: Nur jeder dritte Befragte jenseits der siebzig fühlt sich souverän beim Surfen im Netz. Also nichts wie auf ins Surfcamp.

Das Surfen gehört zu den schwierigsten Sportarten der Welt. Man braucht viel Geduld, bis man Körper und Geist auf den unvorhersehbaren Bewegungsrhythmus der Wellen so eingestimmt hat, dass ein sicherer Ritt möglich ist. Das Erlernen der richtigen Technik dauert manchmal ein ganzes Leben lang. Spät erst erreichen manche die letzte Souveränität auf dem Brett. Als „Silver Surfer“ werden im küstennahen amerikanischen Sprachgebrauch ältere Damen und Herren bezeichnet, die zwar nur noch schwer aus dem Auto kommen, aber eine ehrwürdige Ruhe ausstrahlen, sobald sie auf ihrem Surfbrett stehen und so gelassen in die „Barrels“, die fassähnlichen Mittelpunkte der brechenden Wellen, hinfahren wie in einen leeren Alpentunnel.

Ob sich die Schöpfer der gleichnamigen kraftstrotzenden Superhelden-Figur an ihnen oder nicht doch eher an Arno Brekers übermenschlichem Schwertträger vor der Neuen Reichskanzlei in Berlin orientiert haben, sei dahingestellt – die wichtige Frage ist viel eher: Wie konnte es dazu kommen, dass der Ausdruck „Silver Surfer“ jetzt mit Eigenschaften wie Inkompetenz und Unsicherheit assoziiert wird, auf einmal als Synonym für tattergreisenhaftes Rumstolpern durch das digitale Dickicht herhalten muss? Schuld daran ist Gütersloh, wo man sich um kalifornische oder extragalaktische Urheberrechte natürlich nicht schert. Dort wurde gestern eine im Auftrag der nimmermüden Bertelsmann Stiftung durchgeführte Studie veröffentlicht, die dramatische Zahlen zum Inhalt hat: Nur jeder dritte Befragte jenseits der siebzig fühlt sich angeblich souverän beim Surfen im Netz. Die meisten der in Verruf gebrachten „Silver Surfer“ werden von den Wellen, die dort mit jedem Klick über ihnen zusammenschlagen, anscheinend regelmäßig in die Tiefe des Netzraums hinabgerissen und japsen dort verzweifelt nach Luft.

Um diesen Missständen abzuhelfen, wird dringend zum Besuch von kommunalen Surfcamps geraten, wo der trittunsichere Seniorensurfer für die digitale Zukunft „fitgemacht“ werden soll. Dadurch böten sich ihm, so ist sich die Studie sicher, großartige Chancen: Digitale Konsumkompetenz etwa könne dazu beitragen, dass alte Menschen auch dann noch „selbstbestimmt“ leben, wenn ihre Mobilität eingeschränkt sei. Goldene Aussichten also für die silbernen Surfer: Der souveräne Klick ist lernbar. Genauso wie der „Chicken Dive“ – eine Exitstrategie im Angesicht zu gewaltiger Wellen, bei der der Surfer sein Brett hinter sich wirft und wieder zum Freischwimmer wird.

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