EM-Berichterstattung : „Es geht immer nur um Alkohol“

Hagen Decker berichtet für die ARD über sein Leben als abstinenter Kokain-Süchtiger. Die EM-Berichterstattung seiner öffentlich-rechtlichen Kollegen regt ihn gerade sehr auf. Warum? Ein Anruf.
Jeder kann sein Bier zum Fußball trinken. Damit habe ich kein Problem. Aber ich habe ein großes Problem mit der Fußball-Berichterstattung, die ich seit dem Anfang der EM intensiv verfolge. Seit Tag eins habe ich da ein extremes Störgefühl. Immer wenn irgendwo hingeschaltet wird, geht es darum: Wie viel Bier haben die Fans da getrunken? Wie viel trinken sie noch? Und dann wird zurück ins Studio geschaltet, und alle lachen über die Betrunkenen – ohne irgendeine kritische Einordnung. Am Dienstagabend hat Katrin Müller-Hohenstein im ZDF die Reporterin im Stadion gefragt, ob die Schotten den Engländern noch ein paar Bier übrig gelassen hätten. Die Reporterin hat geantwortet: „Ich habe so langsam das Gefühl, das ist das Hauptthema, wenn ich bei euch da auf der Wand liege, dass ich über Bier rede.“ Und da habe ich gemerkt: Das spüre nicht nur ich als Süchtiger, sondern da ist wirklich etwas komisch. Wir sind mit unserem Podcast auch Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, deswegen will ich das nicht so stehen lassen.