Tourismus in Italien : Was soll der Römer mit Baguettes?

Das traditionelle Gewerbe in den mittelalterlichen Gassen Roms stirbt aus. Die Mieten steigen zusehends. Nach und nach müssen die Bewohner der italienischen Hauptstadt das Zentrum den Touristen überlassen - ob sie wollen oder nicht.
Das Quartier zwischen Pantheon und Largo di Torre Argentina zwischen den Kirchen Sant’Eustachio und Santa Maria sopra Minerva ist ein Dorf im Zentrum des alten Roms, reich an Tradition und Lebensqualität. Aber in den kommenden Jahren könnte es an Angeboten ärmer werden und damit seine liebenswürdigen Eigenschaften verlieren. Noch kann die Witwe Maria Mariani alle ihre Besorgungen in den mittelalterlichen Gassen des Quartiers machen. Post und Bank finden sich hier, Schuhmacher, Malermeister, Drechsler und Schmiede. Doch die Touristen, nach denen sich Rom immer mehr ausrichtet, brauchen das nicht. Sie genießen zwar den Blick in eine traditionelle „bottega“ als „typisch römisch“, aber gehen weiter, ohne zu kaufen. Da auch viele Römer längst aus dem Zentrum weggezogen sind, haben die Werkstätten immer weniger Kunden. Das alte Antlitz einer Stadt verschwindet, in der Handwerk und Adelspalast, Kirche und Wohnhaus das Straßenbild prägten.