Urlaub in der Pandemie : Zimmerservice

Sind wir nicht alle urlaubsreif? Und haben wir nicht für den Besuch im Hotel gespart? Die Frage ist, was uns dort erwartet.
Wir dürfen wieder. Wir haben es uns verdient. Hotels, Gastronomie, überall strahlende Gesichter. Und vor allem: wir können uns bessere Hotels, besseres Essen leisten, schließlich haben wir lange gedarbt und gespart. Das Leben im Hotel ist schön. Und man kann ja Abstand halten, wie zum Beispiel Joseph Roth es getan hat, der einen Großteil seines Lebens in Hotels verbracht hat. „Hier in der Halle bleibe ich sitzen. Sie ist die Heimat und die Welt, die Fremde und die Nähe, meine ahnenlose Galerie! Hier beginne ich, über das Hotelpersonal, meine Freunde, zu schreiben. Es sind lauter Persönlichkeiten! Weltbürger! Menschenkenner! Sprachenkenner! Seelenkenner!“
Solche Menschen brauchen wir, die wollen wir um uns haben, und wenn man Glück hat, trifft man sogar (eben in den besseren Hotels) Persönlichkeiten, die man sonst nur aus den Medien kennt. Keine Indiskretionen! Aber legendär ist das New Yorker Chelsea Hotel, das für seine Hotelgäste und Dauermieter berühmt wurde. Bob Dylan, Jack Kerouac, Mark Twain, Jimi Hendrix, Vladimir Nabokov, Janis Joplin, Andy Warhol waren dort zu Gast.
Schwanger im Hotel
Wer weiß, wen man dort heute, im mehrfach verkauften und renovierten Chelsea Hotel, antrifft. Der ehemalige Hotel-Manager Stanley Bard sagte einmal: „Die Luft hier macht so produktiv, dass sogar die Gattin des Schriftstellers Brendan Behan, die glaubte, keine Kinder mehr bekommen zu können, hier schwanger wurde.“
Mit dem Fliegen nach New York ist das natürlich so eine Sache, besser nicht fliegen, aber es gibt ja auch genügend schöne Hotels in unseren deutschen Landen, die ebenfalls Berühmtheiten beherbergen. Zum Beispiel im Bayerischen, Schloss Elmau. Dort wohnte ich einmal, Zimmer an Zimmer, neben einer berühmten Dichterin. Die telefonierte von morgens sechs Uhr an. Berühmt war sie übrigens auch für ihre Stimme, mit der sie, eine kleine Person, auch in einem Saal mit 500 Besuchern ohne Mikrofon jeden erreichen konnte. Um dieser durchdringenden, schrillen Stimme zu entgehen, stellte ich mein Radio etwas lauter. Als auch das nichts nutzte, ging ich schließlich zum Concierge und bat um ein anderes Zimmer. Er schaute mich erstaunt an: Ach, Sie sind das! Frau D. hat sich schon über die laute Musik beschwert, sie könne ihr eigenes Wort nicht verstehen.
Frau D. wird man heute, dort in Elmau, nicht mehr antreffen, dafür aber viele andere Berühmtheiten – mit Abstand natürlich. Und Masken wird man in allen Hotels ausreichend vorfinden, sie gehören ja inzwischen zu den normalen alltäglichen Hygieneartikeln. Schönen Sommerurlaub. Der Omega-Herbst kommt von ganz allein.