Stadt-Land-Debatte : Raum taugt nicht zum Kulturkampf

Die Politik hat in den letzten Jahrzehnten ungeheure Anstrengungen in den ländlichen Raum investiert. Der Mythos vom „vergessenen Land“ nützt nur denen, die sich mehr Gegensätze in unserer Gesellschaft wünschen. Ein Gastbeitrag
Es ist sehr verdienstvoll, dass sich die F.A.Z. dem Verhältnis von Peripherie und Zentrum mit einer lokalen Tiefenbohrung im uckermärkischen Prenzlau widmen will. Denn in den Diskursen über die Proteste von Bauern und ihren Verbänden gegen die haushaltspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung mischt sich eine Erzählung, die umso mehr an Fahrt gewinnt, je länger die Treckerkolonnen durchs Land ziehen: die Benachteiligung von dem, was „Land“ genannt wird, gegenüber „der Stadt“. Schon diese beiden Begriffe haben erhebliche Unschärfen, sie werden selten präzise definiert (weil das nicht trivial ist), und sie entsprechen nicht der komplexen Wirklichkeit der meisten europäischen Länder. Genauso wie es „die Landwirtschaft“ nicht gibt, lässt sich nicht pauschal von dem Land oder der Stadt reden: Denn es gibt quer durch Deutschland prosperierende und stagnierende Räume, sowohl in Stadtregionen, im ländlich-peripheren Raum als auch im stark gewachsenen Zwischenfeld — dem Stadtumland. Selbst innerhalb der Städte herrscht ein buntes Mosaik von „Auf und Ab“, von Arm und Reich – das anzuerkennen würde der Debatte mehr Sachlichkeit verschaffen.
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