Reiseeindrücke aus Haiti : „Port-au-Prince wird von Dieben und Mördern regiert“

Haiti erstickt im Plastikmüll, ist berüchtigt für seine Niedriglöhne und hat eine höhere Entführungsrate als alle anderen Metropolen der Karibik, Mittel- oder Südamerikas. Welche Eindrücke beschleichen den Besucher dieses gescheiterten Inselstaats?
Haiti steht am unteren Ende jeder Statistik, wenn es um Gesundheitsfürsorge, Kindersterblichkeit, Niedriglöhne oder Arbeitslosigkeit geht. Aber auf anderem Gebiet ist es Spitze: In Port-au-Prince werden derzeit mehr Menschen entführt und ermordet als in irgendeiner anderen Metropole der Karibik, Mittel- oder Südamerikas. Diplomaten und Journalisten meiden Stadtviertel wie Martissant als No-go-Areas, aus denen die örtliche Bevölkerung floh und in denen die schlecht ausgerüstete, unterbezahlte Polizei täglich ihr Leben riskiert. Exilhaitianer aus Miami, New York oder Montreal, deren Überweisungen an ihre Angehörigen höher sind als das Staatsbudget, trauen sich nicht mehr, in die Heimat zurückzureisen, weil sie bevorzugte Entführungsopfer sind. Mit der Drogenmafia liierte Banden, die sich aus den Slums, aber auch aus der Polizei rekrutieren, haben die Behörden unterwandert und kämpfen um die Kontrolle lukrativer Stadtbezirke, wobei Hintermänner aus höchsten Kreisen die Fäden ziehen. Und es ist bezeichnend, dass und wie die Untersuchung des Mordes an Präsident Jovenel Moïse seit neun Monaten im Sande verläuft.
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