Lavinia Fontana in Dublin : Malende Regelbrecher kommen in den Himmel
Eine würdige Ausstellung anstelle eines Grabes: Die National Gallery of Ireland zeigt die Spätrenaissancekünstlerin Lavinia Fontana.
Im Mai 1872, als die neugegründete irische Nationalgalerie noch ihren Grundstock aufbaute, hat sie bei Christie’s in London aus der Sammlung des Prinzen Jérôme-Napoleon, des Neffen Napoleon Bonapartes und Vetters Napoleons III., ein mehr als drei Meter breites Gemälde von Lavinia Fontana erworben, einer Malerin auf der Schwelle zwischen Manierismus und Barock. Das Museum glaubte, mit dieser Leinwand erstmals ein Gemälde von Frauenhand in ihren Bestand aufgenommen zu haben, bis sich herausstellte, dass es sich bei einem schon vorhandenen Porträt, das dem Spanier Alonso Sánchez Coello zugeschrieben war, um ein Werk von Sofinisba Anguissola handelt, einer Zeitgenossin von Fontana, die inzwischen auch als Pionierin unter den Alten Meisterinnen gilt.