DDR-Architektur :
Im Schloss spukt das Palastgespenst

Petra Ahne
Ein Kommentar von Petra Ahne
Lesezeit: 2 Min.
Das Humboldtforum will an den Palast der Republik erinnern, den es ersetzt hat. Wenn das mal gut geht.
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Weniger gut informierte Touristen dürften die Plakate verwirrt haben, die am Donnerstag im Hof des Berliner Stadtschlosses aufgehängt wurden. Was ist das für ein kastenartiges Gebäude, an das man sich am Wochenende in Veranstaltungen erinnern will? Wann soll dieser Palast der Republik hier gestanden haben? Scheinen doch die mächtigen Ziegelmauern, die Säulen, Kapitelle und Balustraden, auf die man im weiten Schlüterhof blickt, Dauer und Kontinuität über Jahrhunderte zu belegen.

Zur Berlin-Folklore geworden

Es ist nicht so, dass man dem Vorgänger des Schloss-Nachbaus nicht begegnet, wenn man das Humboldt-Forum besucht. Doch der Geist der Palast-Vergangenheit ist leise und unauffällig. Im Museumsshop tritt er als Designobjekt auf, an der Decke sind Leuchten befestigt, wie sie im Palast der Republik zu Hunderten hingen. Man kann sie kaufen, 3895 Euro das Stück. Warum die Lampe so teuer sei, wisse sie nicht genau, sagt die Verkäuferin, wahrscheinlich wegen der aufwendigen Herstellung der Kugeln mit im Glas eingeschlossenen Luftbläschen. Es gibt auch die Palast-Stehlampe für 369,95 Euro und die Tischlampe für 349,95 Euro. Im Souvenirladen, der hier Concept Shop heißt, ist die Erinnerung an den 1976 eröffneten und 2006 bis 2008 abgerissenen Palast der Republik Teil einer hippen Berlin-Folklore geworden. Da ist auch eine Techno-Ecke, mit T-Shirts, auf denen steht: „Techno changed my life“.

Zwei Becher aus der Milchbar

Im Gebäude selbst sind zwölf Gegenstände aus dem Palast der Republik verteilt, der Sitz der Volkskammer der DDR war, aber auch Veranstaltungsort und Treffpunkt, mit Bowlingbahn, Disco, Bars und Restaurants. Man begegnet den Objekten unverhofft, neben dem Eingang zum Restaurant steht etwa eine Vitrine mit zwei Bechern aus Edelstahl, in denen in der Milchbar Eiskaffee serviert wurde. Sie wirken fehl am Platz, die Barockschloss-Attrappe, selbst nur gebaute Erinnerung, hat die viel kürzer zurückliegende Vergangenheit unter ihren wuchtigen Mauern begraben. Nichts anderes war ja der Plan.

Nun aber will das vor einem Jahr eröffnete Humboldt-Forum den Geist des Palastes wieder rufen. Am Wochenende geht es los, an der Wand eines neuen Restaurants hängt nun ein bislang weggepacktes Wandrelief aus dem Palast, im Schlüterhof werden Kegelbahnen aufgebaut, alte Fernsehfilme werden gezeigt. All das ist Auftakt zu einer mehrjährigen Beschäftigung mit dem Palast der Republik, seiner Architektur und Nutzung. Es ist ein mutiges Projekt. Je mehr das Gebäude, das in Berlin viele vermissen, gedanklich zurückgeholt wird, desto paradoxer wird scheinen, dass das überhaupt nötig ist. Es könnte es ja noch geben. Eine Initiative, die den Wiederaufbau des Palastes der Republik zum Ziel hat, gibt es schon. Sie nimmt Spendengelder entgegen.

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