Führungswechsel in Aareal Bank :
Finanzinvestoren finden überzeugende Lösung

Hanno Mußler
Ein Kommentar von Hanno Mußler
Lesezeit: 2 Min.
Aareal Bank: Am 21. November 2023 endete das 21 Jahre währende Kapitel an der Börse. Nun kommt es im Sommer 2024 zum Wechsel an der Vorstandsspitze.
Die Eigner der Aareal Bank tauschen mitten in der Gewerbeimmobilienkrise den Vorstandschef aus. Das ist riskant. Immerhin bringt der Neue von der LBBW allerhand Erfahrung mit. Aber ob er weiter antizyklisch zukaufen darf, erscheint fraglich.

Die neuen Eigner der Aareal Bank in Wiesbaden stellen die Weichen bisher weniger strategisch denn personell neu. Den Aufsichtsratsvorsitz hat die Finanzinvestorengruppe unter Führung von Advent und Centerbridge mit Jean-Pierre Mustier, dem ehemaligen Vorstandschef der italienischen Großbank Unicredit, schon im August 2023 prominent neu besetzt. Nun tauscht sie auch die Vorstandsspitze aus.

Anders als die Finanzinvestoren Cerberus und J. C. Flowers, die als Eigner der früheren HSH Nordbank und heutigen Hamburg Commercial Bank den im September 2022 abgetretenen langjährigen Vorstandsvorsitzenden Stefan Ermisch bislang nicht dauerhaft ersetzen konnten, wirkt die Lösung für Aareal überzeugend.

Christian Ricken, künftiger Vorstandschef der Aareal Bank in Wiesbaden
Christian Ricken, künftiger Vorstandschef der Aareal Bank in WiesbadenLBBW

Der von der LBBW verpflichtete 57 Jahre alte Christian Ricken hat in der Stuttgarter Landesbank nicht nur Erfahrung als Kapitalmarktvorstand, sondern auch Immobilienkenntnisse durch seine Tätigkeit im Aufsichtsrat der Berlin Hyp und im Vorstand des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken erworben. Diese Expertise erscheint wichtig, tobt doch gerade allen voran im wichtigsten Markt USA eine Gewerbeimmobilienkrise. Dass Aareal in einer solchen Phase die Pferde wechselt, ist nicht ohne Risiko.

Jochen Klösges, der bisherige Vorstandschef, hat von außen betrachtet keine großen Fehler gemacht, im Gegenteil. Aareals Aktienkurs stieg seit seinem Amtsantritt im September 2021 von 19 Euro auf 33 Euro – so viel boten die neuen Eigner, bevor sie im November 2023 Aareal von der Börse nahmen. Unter Klösges hat die Bank zuvor trotz erheblicher Kredite an Hotels und Einzelhandel die Corona-Krise gut gemeistert und sich dann gerade noch rechtzeitig von Krediten an die nun insolvente Signa-Gruppe von René Benko getrennt.

Nun schlägt die US-Gewerbeimmobilienkrise zu, die Risikovorsorge musste Aareal 2023 mehr als verdoppeln, das Gewinnziel hat die Bank deshalb verfehlt. Aber Aareal ist mit 19 Prozent Kernkapitalquote hervorragend gewappnet. Spannend wird nun sein, wie viel Neukreditgeschäft zu vermutlich guten Margen die Eigner in der Immobilienkrise zulassen und ob Finanzinvestoren damit einen eher untypischen längeren Atem beweisen. Oder ob sie kurzfristig Kapitalpuffer der Bank angreifen und sich hohe Dividenden genehmigen. Dann erschiene der jetzt überzeugend wirkende Austausch an der Vorstandsspitze in anderem Licht.

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