Ukrainische Datenbank : Die Kunst der Oligarchen

Krieg und Kunst: Die Ukraine hat eine Datenbank mit Kunstschätzen von Oligarchen veröffentlicht, welche unter Sanktionen stehen. Die Werke sollen nicht mehr in den Handel kommen.
Ein Triptychon von Francis Bacon für 86,3 Millionen Dollar in Besitz des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch; ein Seerosenteich von Claude Monet für 80,5 Millionen Dollar in Besitz des Großindustriellen Andrei Melnitschenko; ein Siebdruck mit vier Marilyns von Andy Warhol für 38,2 Millionen Dollar in Besitz des Konzernchefs Mikhail Fridman: Auf einen Gesamtwert von über zwei Milliarden Dollar sollen die mehr als 300 Kunstwerke aus den Sammlungen unter Sanktionen stehender russischer Oligarchen sich summieren, die eine neue ukrainische Website auflistet.
Die Nationale Agentur zur Korruptionsprävention (NACP) des Landes hat die für weitere Meldungen offene Datenbank unter dem Rubrum „War & Art“ zusammengestellt. Sie soll nicht nur die Reichtümer von Putins Wirtschaftselite publik machen, sondern als leicht handhabbares Instrument dabei helfen, den Weiterverkauf aufgeführter Kunstwerke zu verhindern oder Beschlagnahmungen zu ermöglichen. Laut NACP ist es für Oligarchen immer noch zu leicht, Geld mit Kunst zu waschen oder zu verstecken.
Die auf Sanktionsdurchsetzung fokussierte Datenbank weist allerdings Unschärfen auf: So führt sie nicht nur Kunstwerke in aktuellem russischem Besitz auf, sondern auch solche, die früher durch die Hände von Oligarchen gegangen sind. Prominentestes Beispiel ist der angeblich von Leonardo da Vinci stammende „Salvator Mundi“, das mit einem gezahlten Preis von 450 Millionen Dollar teuerste je versteigerte Bild der Welt. Bei dessen Verkauf machte zwar sein Vorbesitzer Dmitri Rybolowlew einen Schnitt von 300 Millionen Dollar – doch der „Weltenretter“ gehört ihm nicht mehr, sondern vermutlich dem saudischen Kronprinzen Mohammad Bin Salman.
Ergänzend zu Datenbanken von Ermittlungsbehörden wie etwa Interpol kann die NACP-Liste dennoch hilfreich sein. Dass die meisten Kunstschätze der Oligarchen unerreichbar für die Behörden in Zollfreilagern ruhen dürften, ist eine andere Geschichte.