Amerikanische Notenbank : Die Fed nähert sich einer Zinssenkung

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve lässt die Leitzinsen unverändert zwischen 5,25 und 5,5 Prozent. Doch die Formulierungen deuten auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik hin.
Die amerikanische Notenbank Federal Reserve lässt die Leitzinsen unverändert und entspricht damit den Erwartungen der professionellen Beobachter. Gleichzeitig hat sie aber mit mehreren Formulierungen in der am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung und der anschließenden Pressekonferenz den Boden für eine Lockerung der Geldpolitik bereitet, die im September eingeleitet werden könnte. Vorerst allerdings bleiben die Leitzinsen in der Bandbreite zwischen 5,25 und 5,5 Prozent. Dort liegen sie seit einem knappen Jahr. Die letzte Leitzinssenkung liegt inzwischen mehr als vier Jahre zurück.
Die Formulierungen, die die Erwartung nähren, eine Zinswende ist nicht mehr fern, beziehen sich auf die Inflation und auf den Arbeitsmarkt. Es habe in den jüngsten Monaten einigen Fortschritt in der Bekämpfung der Inflation gegeben, die sich der 2 Prozent-Zielmarke weiter annähert, heißt es in der Stellungnahme. Im Juni lag die Inflationsrate in den USA bei 2,5 Prozent nach dem von der Fed bevorzugten Indikator. Auffällig ist ferner die Hervorhebung des Arbeitsmarktes und des gesetzlichen Mandats, zu maximaler Beschäftigung beizutragen, nachdem in vergangenen Mitteilungen stets die Zähmung der Inflation im Mittelpunkt stand.
Zuversichtlicher Powell
Dass die Zeichen auf Lockerung stehen, unterstrich der Chef der Federal Reserve, Jerome Powell. Jüngste Daten deuteten darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt nach einer Phase der Überhitzung normalisiere und Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften in ein besseres Gleichgewicht kämen. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 4,1 Prozent, was einem deutlichen Anstieg entspricht, aber immer noch niedrig ist. Damit verkleinert sich das Risiko, dass Löhne zu schnell wachsen und damit die Teuerung beflügeln. Im Gegenteil stiegen nun die Risiken, dass der Arbeitsmarkt stärker schwächelt, räumte Powell ein, was ebenfalls eine Leitzinssenkung rechtfertigen würde.
Zuversicht schöpft Powell auch aus den Inflationsdaten des zweiten Quartals, nachdem die Teuerung im ersten Vierteljahr des Jahres noch höher ausgefallen war, als die Fed und viele Experten erwartet hatten.