Grenzenlos Studieren : Die Universitäten oder Europa

Macron träumt von Europäischen Universitäten. Bereits 2015 haben sich fünf Hochschulen zusammengeschlossen und ermöglichen grenzüberschreitendes Studieren. Ein vielversprechendes Projekt?
„Es ist unmöglich, dass weltliche Kräfte sich selbst ins Gleichgewicht setzen, ein drittes Element, das weltlich und überirdisch zugleich ist, kann allein diese Aufgabe lösen.“ Der Romantiker Friedrich von Hardenberg alias Novalis schrieb das 1799 in seinem Essay „Die Christenheit oder Europa. Ein Fragment“. Es handelt sich dabei um einen Aufruf, der aus einer krisenhaften Wahrnehmung Europas entstand. Novalis erinnert an die Notwendigkeit einer friedlichen europäischen Staatengemeinschaft. Und er zeigt, dass diese europäische Ordnung nicht spontan entsteht, sondern eines Fundaments bedarf, das Einigkeit stiftet. Novalis sieht es im Rückgriff auf das Mittelalter in der Religion. Heute ist ebenfalls von einer Krise Europas die Rede. Es wird beklagt, dass die Errungenschaft einer europäischen Friedensordnung für allzu selbstverständlich und ihre Notwendigkeit nicht mehr deutlich genug gesehen werde. Auch der Gedanke, dass Europa eines Fundaments bedarf, das Einigkeit stiftet, ist in diesen Tagen häufig zu hören, wobei nicht mehr die Religion, sondern immer häufiger Wissenschaft und Tradition der europäischen Universität eine zentrale Rolle spielen.