Kandidatin für Europawahl : Rackete löst Kritik innerhalb der Linken aus

Dass die Flüchtlingshelferin Carola Rackete die Linke als Spitzenkandidatin in den Europawahlkampf führen soll, ist parteiintern umstritten. Der Bundestagsabgeordnete Klaus Ernst fürchtet eine weitere Spaltung.
Die Nominierung der Kapitänin und Flüchtlingshelferin Carola Rackete als Linken-Spitzenkandidatin für die Europawahl sorgt innerhalb der Partei für Ärger. „Der Vorschlag des Parteivorstandes, die parteilose Carola Rackete an sämtlichen Parteigremien vorbei als Spitzenkandidatin für die Europawahl auszurufen, beweist weiter die Geisterfahrt der politischen Führung der Linken“, sagte der Linken-Bundestagsabgeordnete Klaus Ernst dem Berliner „Tagesspiegel“. Sofort habe Rackete eine eigene Pressekonferenz durchgeführt, „mit Positionen, die mit der Programmatik der Linken kaum vereinbar sind“. Dieser Vorschlag spalte die Partei weiter.
Die Spitze der Partei ist wegen schlechter Wahlergebnisse und Umfragewerte und wegen des Dauerstreits mit der früheren Fraktionschefin Sahra Wagenknecht unter Druck. Der frühere Linken-Vorsitzende Ernst hatte sich dabei auf die Seite Wagenknechts geschlagen.
Eingestelltes Strafverfahren
Rackete soll neben Martin Schirdewan kandidieren, der derzeit Fraktionschef der Linken im Europaparlament ist. Die 35-jährige Kapitänin wurde 2019 international bekannt, als sie mit aus Seenot geretteten Flüchtlingen auf dem Schiff Sea Watch trotz eines Verbots der italienischen Behörden die Insel Lampedusa anlief. Es folgte ein Strafverfahren, das 2021 aber eingestellt wurde.
Offiziell wird die Liste für die Europawahl erst bei einem Linken-Parteitag in Augsburg Mitte November erstellt.