Zu wenig Wettbewerb : So teuer ist derzeit das Laden von E-Autos

Während die Haushaltsstrompreise fallen, steigen sie an den Ladesäulen. Der Grund dafür liegt in der Struktur des Marktes, meint ein Ökostromanbieter.
Unterwegs ein Elektroauto zu laden ist im Moment teurer als das Betanken eines vergleichbaren Verbrennerautos. Zu diesem Schluss kommt eine Marktuntersuchung des Ökostrom-Anbieters Lichtblick. Um für ein kompaktes Elektroauto Strom für 100 Kilometer zu laden, im Beispiel 20 Kilowattstunden, sind der Untersuchung zufolge im Schnitt an einer Normalladesäule 11,10 Euro nötig, an einer Schnellladesäule 13,11 Euro. Für die Tankfüllung eines Verbrennerautos kalkuliert Lichtblick 10,38 Euro. Die Preise für das Batterieladen unterwegs lägen weiterhin deutlich über dem Durchschnittspreis für Haushaltsstrom, der mit 42 Cent je Kilowattstunde angegeben wird. Laden an normalen Säulen bis 22 Kilowatt Leistung koste im Schnitt 55 Cent je Kilowattstunde, an Schnellladesäulen ab 50 Kilowatt Leistung dagegen 66 Cent je Kilowattstunde.
Während der Preis für Haushaltsstrom im Vergleich zu 2023 wieder sinke, seien die Tarife an Normalladesäulen um 7 Prozent, an Schnellladesäulen um 5 Prozent gestiegen. Als einen Grund für die Preisentwicklung an den Ladesäulen wird die Verfestigung von marktbeherrschenden Positionen lokaler Anbieter genannt. Das führe zu Diskriminierung gegenüber Drittanbietern von Ladestrom, weil von denen höhere Beiträge für die Nutzung von Ladesäulen verlangt würden als von lokalen Kunden.
Die Dominanz lokaler Anbieter
In Dortmund entfielen zum Beispiel 93 Prozent der Ladesäulen auf Eon und das verbundene Unternehmen DEW21, in Hannover 91 Prozent auf Enercity, in Wiesbaden 90 Prozent auf die lokalen Stadtwerke Eswe, in Nürnberg 87 Prozent auf N-Ergie, in Hamburg 86 Prozent auf das Stromnetz Hamburg, in Leipzig 81 auf die Stadtwerke Leipzig. In München haben die lokalen Stadtwerke immer noch einen Anteil von 82 Prozent, in Düsseldorf beträgt er 78 Prozent und in Berlin 59 Prozent.
Die Dominanz lokaler Anbieter sorgt nach Ansicht des nationalen Ökostromanbieters für überhöhte Preise an den Ladesäulen. Zudem beklagt man, dass an den lokalen Ladesäulen überregionale Anbieter deren Kunden diskriminiert würden, weil von diesen an den Ladesäulen höhere Preise verlangt werden als von den lokalen Kunden.
Aus Sicht des Ökostromanbieters verhindert die Marktstruktur Preiswettbewerb zwischen Anbietern von Ladestrom. Gefordert wird ein anderes Preismodell, mit dem lokale Ladesäulenbetreiber zur Durchleitung von Strom verpflichtet werden und für Installation und Betrieb ein festes Nutzungsentgelt erhielten.
Die starke Stellung lokaler Energieanbieter in ihren Heimatstädten habe noch einen weiteren unerwünschten Effekt, der ebenfalls die Akzeptanz der Verkehrswende vermindere: Die Vielfalt der Anbieter führe zu einem Wirrwarr an unterschiedlichen Ladekarten, weil sich die Fahrer von E-Autos auf überregionalen Strecken auf unterschiedliche Zahlweisen einstellen müssten.